Presseberichte

Wäller Gesichter in Schwarz und Weiß

WWZ 2016 10 28Wer in ihre Gesichter schaut, ist gebannt von der Ausdrucksstärke, der Intensität, der gewaltigen Kraft der Charaktere, wird magisch angezogen von den Blicken und der Mimik der hier fotografierten Menschen und kann den Blick nicht abwenden, sondern wird in die Tiefe der faszinierenden Schwarz-Weiß-Fotografien hineingezogen. Die Porträtaufnahmen, die der Montabaurer Fotograf Olaf Nitz in seiner Ausstellung „Vom Leben gezeichnete Erinnerungen – Gelebtes leben“ präsentiert, zeigen nicht nur alte Menschen, sie erzählen Geschichten – Lebensgeschichten.

Jede Falte, jeder Blick, ob weltoffen nach vorn gerichtet, ob fröhlich lachend, ob nachdenklich, verträumt, leer oder demütig gesenkt – sie erzählen die Geschichte eines gelebten Lebens, von Gedanken, von Ideen, von Trauer, von Enttäuschung, von Angst, aber auch von Glück, Freude und Hoffnung. Alle Facetten des Lebens und seiner Emotionen sind hier zu sehen, zu spüren, zu lesen. „Ich möchte nicht nur ein Foto machen, sondern den ganzen Menschen in den Blick nehmen, ihn zeigen, wie er ist“, beschreibt Nitz seine Philosophie.

Für seine Ausstellung in der Montabaurer Kunsthalle der Historica-Stiftung, die am Sonntag, 13. November, um 14 Uhr mit einer Vernissage eröffnet wird, hat der Fotograf aus mehr als 20 000 Aufnahmen ausdrucksstarke Porträts von gut 100 alten Menschen ausgewählt, von Männern und Frauen, darunter auch Ordensschwestern. Diese Menschen leben alle in Seniorenheimen der Dernbacher Gruppe Katharina Kasper, im Westerwald wie auch im Raum zwischen Frankfurt und Köln bis zur niederländischen Grenze. Die Porträtierten sind zwischen 75 und 100 Jahre alt, sie alle haben den Zweiten Weltkrieg mit erlebt. Es sind gesunde, rüstige, aber auch gebrechliche oder demenzkranke Senioren. Dabei zeigt der 51-Jährige die Menschen, wie sie sind. Jede Falte, jede Pore, jede Ader, jeder Altersfleck sind in den kontrastreichen Aufnahmen zu sehen. Ungeschönt, ungeschminkt, direkt, klar, schlicht – und zugleich in aller Würde und Ästhetik.

Die Aufnahmen sind nicht gestellt, sondern sie sind aus der Situation heraus im Gespräch entstanden. „Als Fotograf muss man den richtigen Moment abwarten und in den Menschen hineinfühlen“, beschreibt Nitz seine Arbeitsweise. Die so meist in einem unbemerkten Moment entstandenen Schwarz-Weiß-Fotografien hat der gebürtige Düsseldorfer auf mattes Strukturpapier und Trägerplatten gezogen. Dabei zeigt Nitz die Porträtaufnahmen ganz bewusst nicht unter Glas, damit sie ohne Spiegelung nur durch sich selbst wirken und in das Bild hineinziehen.

An den Wänden der Kunsthalle werden die großformatigen Schwarz-Weiß-Fotos den Betrachter ganz sicher in ihren Bann ziehen, so wie die etwa eineinhalb Jahre dauernde Arbeit an der Ausstellung auch den Menschen Olaf Nitz nicht mehr loslässt. „Ich habe während der Shootings so viele Sachen erlebt und bin so vielen gütigen und wunderbaren Menschen begegnet, das lässt sich nicht in Worte fassen“, sagt der Montabaurer tief bewegt.

„Jeder Mensch hat seine Geschichte. Ich habe mir für jeden Porträtierten Zeit genommen. Wir haben viel miteinander gesprochen. In meinem Leben habe ich selbst viel erlebt. Das haben die älteren Menschen gespürt. Sie hatten Vertrauen und haben sich geöffnet, weil sie auch meine Offenheit gespürt haben“, erzählt der 51-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. „Es waren Demenzkranke dabei, die plötzlich Emotionen gezeigt haben und mit mir gelacht haben. Das ist etwas Besonderes“, sagt Nitz nachdenklich. Auf diese Weise entstanden ganz authentische Aufnahmen, ja geradezu biografische Foto-Kunstwerke, die nach der Ausstellung in Montabaur in einer Wanderausstellung auch in anderen Einrichtungen der Katharina-Kasper-Gruppe in Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen zu sehen sein werden. Die Idee für das Projekt entstand durch die jahrelange Arbeit des Fotografen für die Dernbacher Katharina-Kasper-Gruppe. Bei Imageaufnahmen in den Einrichtungen der Holding für Broschüren und Internetseiten machte Nitz auch Fotos von älteren Menschen. „Ich sah das Leben in ihren Gesichtern und wollte ihre persönliche Geschichte einfangen, bewahren und zeigen“, sagt er. „Die Ergebnisse der ersten Shootings im Seniorenzentrum St. Josef in Dernbach waren so überwältigend, dass wir weiter gemacht haben und die Fotos in einer Ausstellung zeigen wollten“, erzählt der Fotograf begeistert.

Die schönsten Aufnahmen werden im Auftrag der Dernbacher Kasper-Gruppe in einem von Nitz produzierten Bildband mit dem Titel „Vom Leben gezeichnete Erinnerungen“ veröffentlicht. Der gut 80 Seiten starke Band erscheint Anfang November in einer ersten Auflage von 500 Exemplaren und wird bei der Vernissage am 13. November vorgestellt. In dem Band erläutert Nitz das Foto-Projekt und geht ebenfalls auf die Porträtierten ein. Für ihn ist dabei eines klar: Die Gesichter und ihre Lebensgeschichten werden ihn auch weiterhin beschäftigen – als Mensch und als Fotograf. Stephanie Kühr

Die Vernissage ist am Sonntag, 13. November um 14 Uhr in der Kunsthalle der Historica-Stiftung, Paehlerstraße 2 in Montabaur.

WW-Zeitung vom Freitag, 28. Oktober 2016

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